Vividrin, Nasenspray
Bausch & Lomb Swiss AG
Zusammensetzung
Wirkstoff: Azelastin.
Hilfsstoffe: Excipiens ad solutionem
Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit
Nasenspray, Lösung.
1 Sprühstoss (0,14 ml Lösung) enthält 0,14 mg Azelastinhydrochlorid.
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten
Therapie der perennialen chronischen allergischen Rhinitis.
Dosierung/Anwendung
Perenniale chronische allergische Rhinitis
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren
2mal täglich 1 Sprühstoss Vividrin pro Nasenloch (entsprechend einer täglichen Dosis von 0,56 mg Azelastinhydrochlorid).
Kinder unter 12 Jahre
Über die Anwendung von Vividrin bei Kindern liegen noch zu wenig Erfahrungen vor. Das Arzneimittel sollte daher bei ihnen nicht angewendet werden.
Die Anwendung soll bei aufrechter Kopfhaltung erfolgen.
Normalerweise beträgt die Behandlungsdauer für die akute saisonale allergische Rhinitis 2 Wochen und für die perenniale chronische allergische Rhinitis 4 bis 8 Wochen.
Kontraindikationen
Nachgewiesene Unverträglichkeit auf den Wirkstoff.
Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen
Bei Anwendung von Vividrin sind in Einzelfällen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Mattigkeit, Erschöpfung, Schwindel- oder Schwächegefühl, die auch durch das Krankheitsgeschehen bedingt sein können, möglich. In diesen Fällen kann die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs und zur Bedienung von Maschinen beeinträchtigt sein. Besonders sollte beachtet werden, dass Alkohol die Verkehrstüchtigkeit noch weiter verschlechtern kann.
Interaktionen
Interaktionen mit anderen Medikamenten sind bis jetzt nicht beobachtet worden.
Schwangerschaft/Stillzeit
Zwar wurden bei der Verabreichung hoher Dosen von Azelastin (ab dem 400- bis 500-fachen der oralen humantherapeutischen Tagesdosis von 4 mg) an Tieren fetotoxische Auswirkungen beobachtet, doch kontrollierte Studien bei schwangeren Frauen liegen nicht vor.
Unter diesen Umständen soll das Medikament nur verabreicht werden, wenn der potentielle Nutzen das fötale Risiko übersteigt.
Da ausreichende Erfahrungen nicht vorliegen, sollte Vividrin während der Stillzeit nicht eingesetzt werden.
Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen
Bei Anwendung von Vividrin, Nasenspray sind in Einzelfällen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Mattigkeit, Erschöpfung, Schwindel- oder Schwächegefühl, die auch durch das Krankheitsgeschehen bedingt sein können, möglich. In diesen Fällen kann die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs und zur Bedienung von Maschinen beeinträchtigt sein. Besonders sollte beachtet werden, dass Alkohol die Verkehrstüchtigkeit noch weiter verschlechtern kann.
Unerwünschte Wirkungen
Die unerwünschten Wirkungen sind nachfolgend geordnet nach Organklassen entsprechend dem MEDDRA System und Häufigkeit (sehr häufig: >1/10; häufig: >1/100, <1/10; gelegentlich: >1/1000, <1/100; selten: >1/10'000, <1/1000; sehr selten: <1/10'000).
Immunsystem
Sehr selten: Überempfindlichkeit.
Nervensystem
Häufig: Dysgeusie (substanzspezifischer bitterer Geschmack). Meist wegen unsachgemässer Anwendung mit zurückgeneigtem Kopf.
Sehr selten: Schwindel.
Atmungsorgane
Gelegentlich: Nasale Beschwerden (Brennen, Jucken), Niesen, Nasenbluten.
Gastrointestinale Störungen
Selten: Übelkeit.
Haut
Sehr selten: Hautausschlag, Juckreiz, Urticaria.
Allgemeine Störungen
Sehr selten: Abgeschlagenheit (Mattigkeit, Erschöpfung), Schwächegefühl.
Überdosierung
Azelastin besitzt eine ausreichend grosse therapeutische Breite. Auch bei einer Steigerung der Dosis über den therapeutischen Bereich hinaus wird im Tierexperiment keine wesentliche Zunahme der unerwünschten Arzneimittelwirkungen beobachtet.
Bei nasaler Applikation des Vividrin, Nasensprays werden keine Überdosierungen erwartet.
Erfahrungen nach Einnahme toxischer Dosen von Azelastin beim Menschen liegen nicht vor. Im Falle einer Überdosierung oder Intoxikation ist nach versehentlicher oraler Einnahme aufgrund tierexperimenteller Befunde mit zentralnervösen Erscheinungen zu rechnen. Bis jetzt wurden noch keine EKG-Veränderungen beim Menschen beobachtet, aber das Auftreten von Arrhythmien nach Überdosierung kann nicht ausgeschlossen werden. Nach kürzlich erfolgter Einnahme einer Überdosierung wird eine Magenspülung empfohlen. Ein Antidot ist nicht bekannt.
Eigenschaften/Wirkungen
ATC-Code: R01AC03
Wirkungsmechanismus, Pharmakodynamik
Azelastin ist eine H1-antagonistische und dadurch eine antiallergisch wirksame Substanz mit einer vergleichsweise langen Halbwertszeit. Daten aus präklinischen in vivo und in vitro Studien zeigen, dass Azelastin die Synthese oder die Freisetzung von chemischen Mediatoren hemmt, von welchen bekannt ist, dass sie in frühe und späte Phasen von allergischen Reaktionen involviert sind. Dazu gehören Leukotriene, Histamin, PAF-Inhibitoren und Serotonin.
Klinische Wirksamkeit
Bereits 15 Minuten nach Applikation des Sprays kann eine Wirkung beobachtet werden, welche über 12 Stunden anhält.
Auswertungen von Langzeit EKG Untersuchungen multipler oraler Dosen (bis zu 2× 4 mg täglich) haben keinen klinisch signifikanten Effekt auf das korrigierte QT Intervall (QTc) gezeigt.
Bei über 3700 mit Azelastin behandelten Patienten konnten keine ventrikulären Arrhythmien oder chaotische Kammertachykardien (Torsade de Pointes) festgestellt werden.
Pharmakokinetik
Absorption
Nach peroraler Einnahme einer Tablette wird Azelastin rasch und nahezu vollständig resorbiert. Die absolute Bioverfügbarkeit von Azelastin liegt bei 81%. Nach peroraler Gabe von 4,4 mg resp. 8,8 mg Azelastinhydrochlorid beträgt die maximale Plasmakonzentration von Azelastin 1,5 bis 2,2 ng/ml resp. 4 bis 6 ng/ml. Cmax von Desmethylazelastin beträgt 0,2 bis 0,5 ng/ml resp. 0,8 bis 1,0 ng/ml. Tmax liegt bei gleicher Dosierung bei 5 bis 6 Stunden (Azelastin) resp. bei 14 bis 22 Stunden (Desmethylazelastin). Nach wiederholter nasaler Verabreichung einer täglichen Dosis von 0,56 mg Azelastinhydrochlorid (entsprechend 2× täglich einem Sprühstoss pro Nasenloch), liegt die maximale Plasmakonzentration von Azelastin im Steady-State bei gesunden Freiwilligen bei ca. 0,27 ng/ml. Der Spiegel des aktiven Metaboliten N-Desmethylazelastin liegt bei oder unter der unteren Bestimmungsgrenze (0,12 ng/ml). Bei Patienten mit allergischer Rhinitis führt die wiederholte nasale Applikation zu einem im Vergleich zu gesunden Personen erhöhten Plasmaspiegel. Dies deutet auf eine erhöhte systemische Resorption hin (sehr wahrscheinlich wegen der besseren Penetration durch die entzündete Nasenschleimhaut).
Nach einer täglichen Dosis von insgesamt 0,56 mg Azelastinhydrochlorid (entsprechend 2 Sprühstössen pro Nasenloch) liegt die mittlere Plasmakonzentration von Azelastin 2 Stunden nach der Gabe bei ca. 0,65 ng/ml. Eine verdoppelte Dosis (2× täglich 2 Sprühstösse pro Nasenloch) resultiert in mittleren Azelastin-Plasmakonzentrationen im Steady-State von 1,09 ng/ml.
Trotz der relativ erhöhten Resorption bei Patienten liegt die systemische Exposition nach nasaler Applikation 8mal unter jener, welche nach oraler Behandlung mit täglichen Dosen von 4,4 mg Azelastinhydrochlorid erreicht wird.
Distribution
Das Verteilungsvolumen von Azelastin kann das 50fache des Körpervolumens erreichen, was eine hohe Verteilung des Pharmakons in der Peripherie bedeutet. Nur ein niedriger Anteil der Radioaktivität, nämlich ca.1,4%, findet sich nach peroraler Gabe von 14C-Azelastin im Blut.
Metabolismus
Azelastin wird in hohem Masse metabolisiert. Die wesentlichen Metabolisierungswege sind Ringhydroxylierung, N-Demethylierung und eine oxydative Öffnung des Azepinrings zu zwitterionischen Metaboliten.
Elimination
Im Dosisbereich von 2–16 mg Azelastin liegt eine Dosislinearität vor. Die Halbwertszeiten nach Ein- und nach Mehrmaldosis Azelastin betragen im Plasma ungefähr 20 Stunden für Azelastin und ca. 50 Stunden für N-Desmethylazelastin.
Die ex vivo Proteinbindung beträgt 78–88%. Die Bindung durch Erythrozyten liegt nach peroraler Gabe zwischen 50 und 53%.
75% der verabreichten Azelastindosis werden in den Faeces, 25% im Urin ausgeschieden. Nur 6,5% der Dosis wird unverändert ausgeschieden. Die anhaltende Ausscheidung kleiner Anteile der verabreichten Dosis lässt auf einen geringgradigen enterohepatischen Kreislauf schliessen.
Kinetik spezieller Patientengruppen
Ältere Menschen
Im Vergleich zu jungen Probanden fand sich eine 1,6fache Verlängerung der Halbwertszeiten. Die Werte für AUC, tmax, Cmax (nach Mehrfachgabe), Cmin und der Kumulationsfaktor verdoppelten sich nahezu.
Leber- und Niereninsuffizienz
T½ von Azelastin und N-Desmethylazelastin sind bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion im Vergleich zu Gesunden nicht signifikant verändert. Bei Niereninsuffizienz hingegen wurden für Azelastin und N-Desmethylazelastin signifikant höhere Cmax-Konzentrationen ermittelt. Während die weiteren Parameter für Azelastin im Vergleich zu den Werten beim Gesunden unverändert waren, zeigten sich beim Metaboliten signifikant erhöhte Mittelwerte für AUC bei verlängerter Halbwertszeit.
Präklinische Daten
Azelastinhydrochlorid zeigte in einer Reihe von in vitro und in vivo Untersuchungen weder ein genotoxisches noch ein karzinogenes Potential bei Ratten und Mäusen.
Bei männlichen und weiblichen Ratten verursachte Azelastin bei oralen Dosen von mehr als 3,0 mg/kg/Tag eine dosisabhängige Verminderung des Fertilitätsindexes. Während Untersuchungen zur chronischen Toxizität wurden jedoch keine substanzbedingten Veränderungen in den Reproduktionsorganen von Männchen und Weibchen gefunden.
Embryotoxische und teratogene Wirkungen bei Ratten, Mäusen und Kaninchen traten nur bei für die Mütter toxischen Dosierungen auf (z.B. wurden bei Mäusen und Ratten bei einer Dosierung von 68,6 mg/kg/Tag Skelettanomalien beobachtet).
Sonstige Hinweise
Besondere Lagerungshinweise
Nicht über 30 °C lagern, nicht kühlen oder einfrieren. Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren. Aufgedrucktes Verfalldatum (EXP) beachten. Nach dem ersten Öffnen 6 Monate haltbar.
Zulassungsnummer
66560 (Swissmedic).
Packungen
Flasche aus Polyethylen mit 10 ml Lösung [B]
Zulassungsinhaberin
Bausch & Lomb Swiss AG, Zug.
Stand der Information
Juli 2008.